Dank hervorragender Chöre neuer Besucherrekord


Hochzufrieden zeigten sich die Beteiligten der 2. Internationalen Chorbiennale, die Sonntagnacht mit dem „Farewell“ vor dem Aachener Rathaus und 3500 begeisterten Sängerinnen und Sängern zu Ende gegangen ist. Gut 28 000 Besucher strömten zur diesjährigen Chorbiennale, verkündete der sichtlich erfreute Stadtdirektor und Kulturdezernent Wolfgang Rombey. Die bereits 2009 hervorragende Besucherauslastung der Chorbiennale konnte noch einmal erheblich gesteigert, einige Konzerte mehr angeboten werden. Die Qualität der Gastchöre, da sind sich die Chorleiter der Initiativchöre Prof. Fritz ter Wey, Hans Leenders, Harald Nickoll und Martin te Laak zusammen mit Generalmusikdirektor Marcus Bosch einig, sei europäische Spitzenklasse gewesen.

Bei dem Erfolg sei es fast verwunderlich, dass bei 15 Tagen„…very British“, so das Festivalmotto, noch nicht der Linksverkehr in Aachen eingeführt worden sei, bemerkte Produktionsleiter Ansgar Menze. Ansonsten habe die Chorbiennale erneut alle Wünsche mehr als erfüllt: Exzellente Konzerte mit hochrangigen Chören aus England, Schweden, Norwegen, der Schweiz zusammen mit den besten Chören aus Aachen haben das Publikum magisch angezogen. Die Mischung aus internationalen Spitze und regionaler Vielfalt passt einfach.

Dabei habe man anfangs nur den Umfang von 2009 anvisiert, bei der Planung aber dann eine Reihe von Gelegenheiten ergriffen: So war die Einbindung der StädteRegion mit einem eigenen Konzertabend und dem Satellitenkonzert in Eifelstädtchen Monschau ein Glücksgriff. Einen internationalen Gastchor hatte man mehr engagieren können, wodurch die Zahl der beliebten Lunchkonzerte gestiegen sei. Mit der belgischen Popformation „Witloof Bay“ habe man zudem erfolgreich eine weitere Farbe ausprobiert und die Dresdener Singakademie mit der „Lukas Passion“ von Rudolf Mauersberger, der am Anfang seiner Karriere den Aachener Bachverein geleitet hatte, zu einem historischen Gastspiel nach Aachen verpflichten können. Der Wunsch des Rochester Cathedral Choir, in Aachen auch den anglikanischen Evensong aufzuführen, führte zu einer eigenen kleinen Reihe mit Vespermusik, die auf Aachener Seite der Domchor und der Bachverein gestalteten.

Mehr als 5000 Zuhörer kamen zu den Chorkonzerten der Aachener und internationalen Gastchöre. Fast ebenso viele Besucher verzeichneten die kostenfreien Konzertveranstaltungen wie Lunchkonzert, Vespermusik, öffentliche Proben und ähnliches. Wegen der großen Nachfrage musste das Platzkontingent bei einigen Konzerten um bis zu 40 Prozent erweitert werden. Bei der Langen Chornacht konnten die Besuchermassen schließlich 30 Stunden non-stop Chormusik genießen. Bei Chören wie AcCanto und Lovely Mr. Singing Club ging vor lauter Publikum zeitweilig gar nichts mehr. Übervolle Kirchen, Chormusik auf den Plätzen, Straßen und Kneipen zeichneten das Bild der Langen Chornacht. Man solle doch neben der Bühne auf dem „Hof“ 2013 noch eine weitere Außenbühne errichten, überlegte Rombey laut. Diese Öffnung hin zur Stadt sei neben der äußerst zahlreichen und treuen Festivalgemeinde wichtig für die Chorbiennale. Gleichzeitig dankte er den Chören für ihr vorbildhaftes und großes Engagement, das sie ja doppelt ausführten: Einmal dadurch, dass sie tolle Konzerte gesungen hätten, dann aber auch, dass sie bei der Unterbringung der Chöre, bei der Betreuung Gäste und der Organisation der Konzerte sich so tatkräftig beteiligt hätten.

Dank und Lob gingen auch an das Team um Produktionsleiter Ansgar Menze für eine reibungsvolle Organisation. Ebenso dankte Rombey der Aachener Sparkasse, die neben der Öffentlichen Hand und einigen Ko-Sponsoren als Festivalsponsor hervorragende Kultur für beachtlich viele Aachener ermöglicht hätte.

Wenn die Chorleiter der Initiativchöre nicht über so gute und zahlreiche Kontakte verfügen würden, müsste man sich Sorgen machen, ein solch phantastisches Niveau bei den Chören zu halten, konstatierte Produktionsleiter Menze. Auch die Mischung mit dem Rochester Knabenchor, den beiden skandinavischen Chören „Grex Vocalis“ und Allmänna Sangen“ sowie dem professionellen Collegium Vocale zu Franziskanern Luzern sei perfekt gewesen.

Auch die Entscheidung, aus Terminnot den WDR Rundfunkchor Köln unter Chefdirigent Rupert Huber mit der schillernden Klangkomposition „Cry“ des beim Konzert anwesenden britischen Komponisten Giles Swayne als Auftakt zu gestalten, sei goldrichtig gewesen: Die Resonanz beim Publikum wie bei den Medien sei sehr gut gewesen und hätte die Festivalatmosphäre gleich auf ein hohes Niveau gebracht.

Auch wenn Generalmusikdirektor Marcus Bosch krankheitsbedingt die Musikalische Leitung zu Brittens „War Requiem“ an Klaus Arp abgeben musste, was von allen Seiten bedauert wurde, gerieten die Konzerte zu höchst eindrücklichen Aufführungen. Einen besseren Chor als den aus den acht Aachener und internationalen Kammerchören gebildeten Festivalchor kann man sich schwer denken.

Schließlich hat sich das Festival auch organisatorisch weiterentwickelt. Sehr sinnvoll war beispielsweise die Verlagerung von Bereichen wie dem Marketing, für das die entsprechende Abteilung des Kulturbetriebs die Führung übernommen hatte. Auch einzelne Chormitglieder übernahmen ehrenamtlich Aufgaben wie Übernachtungsmanagement und Rahmenprogramm für die Gastchöre, was zu einer spürbaren Entlastung der Festivalorganisation zugunsten einer Konzentration auf die Konzertorganisation führte. Zudem wurden die Werbemaßnahmen erstmals auf die benachbarten Metropolen ausgeweitet.

Ein überaus positives Echo fand die Chorbiennale auch bei ihren Kooperationspartnern wie dem WDR, aachen tourist, der StädteRegion, der Stadt Monschau, dem Ludwig Forum oder auch dem Tanzpalast Elysee, die zukunftsweisend seien.

Bei der Langen Chornacht am Samstag traten über 60 Chöre an sieben Bühnen auf. Statt des erkrankten Marcus Bosch dirigierte Carl Høgset beim „Farewell“ das abschließende „Der Mond ist aufgegangen“ vor dem festlich erleuchteten Rathaus. 3500 Sängerinnen und Sänger sangen auf dem Markt. Der hocherfahrene und europaweit aktive Chorleiter gratulierte zu dem, was in Aachen in Sachen Chorfestival gelungen sei.

Die beste Art des Singens

Wir freuen uns auf die 5. Internationale Chorbiennale vom 9. bis 17. Juni 2017 mit einem Nachklang am 7. Juli!