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Die 3. Internationale Chorbiennale ist vorüber...

Wir sagen allen Choristen, unseren Unterstützern und einem phantastischen Publikum ganz herzlich "Dankschön!" und freuen uns auf ein Wiedersehen 2015.

Die „beste Art des Singens“ steht alle zwei Jahre in Aachen im Mittelpunkt des öffentlichen Geschehens


„Mit einem Koffer voller Freude und Wohlbehagen“ sind die vier internationalen Gastchöre der Internationalen Chorbiennale wieder nach Hause gereist. Die Herzlichkeit der Gastgeber und des ganzen Festivals seien berührend. So fasste Shosh Lagil, künstlerische Leiterin des Sirenot-Ensembles Tel Aviv, bei der Abreise aus Aachen ihre Dankbarkeit und ihre Anerkennung für das Aachener Chorfestival zusammen, das am Wochenende mit der Langen Chornacht überaus erfolgreich zuende gegangen ist.

Stadtdirektor und Kulturdezernent Wolfgang Rombey kann mit der mittlerweile dritten Ausgabe der Internationalen Chorbiennale hoch zufrieden sein. Der künstlerische Erfolg und die Publikumsresonanz mit einer Auslastung von 110,5 Prozent sowie einem ausgewogenen Budget könnten nicht besser sein: Über 28.000 Besucher bei 30 Veranstaltungen zählte das diesjährige Festival; über 4939 Zuhörer kamen zu den Chorkonzerten mit Eintritt, ungefähr gleich viel zu den kostenlosen Konzerten mit Spitzenwerten beim Lunchkonzert des isländischen Chores Hamrahlid mit 600 Besuchern am Nationalfeiertag im Ludwig Forum. Dank der hohen Spendenbereitschaft – namentlich bei den Lunchkonzerten – darf man beim Budget auf eine rote Null hoffen.

Motto „KONTRASTE“ ging voll auf
Auch künstlerisch ist die Konzeption der diesjährigen Chorbiennale, bei der neben den vier Initiativchören – Aachener Kammerchor, Carmina Mundi, Der Junge Chor Aachen und Madrigalchor Aachen – Generalmusikdirektor Kazem Abdullah erstmals mit von der Partie war, voll aufgegangen: Dass das Motto „KONTRASTE“ in den Konzerten unmittelbar spürbar wurde, lag in erster Linie an der klugen Auswahl der diesjährigen Gastensembles: Die Grupo de Canto Coral Buenos Aires und der Coro da Camerata Antiqua de Curitiba sorgten auf ganz unterschiedliche Weise nicht nur für südamerikanisches Flair. Die Kombination mit dem Sympathieträger Hamrahlid-Chor aus Reykjavik und dem charmanten Sirenot-Ensemble brachten spannungsvolle Abwechslung in die Konzerte, die Qualität der Ensembles – hier muss man auch die A cappella-Formation VOCES8 aus London mit ihrem phänomenalen Auftritt beim Late Night Concerto erwähnen – lag dieses Jahr vielleicht sogar noch über dem Niveau der Vorjahre.

Premiere eines neuen Konzertformats
Auch das „Sing along“ am Samstagnachmittag open air auf dem Katschhof sei ein phantastischer Einstieg in ein neues Format, resümierte Stadtdirektor Rombey. Das Zusammenspiel zwischen dem Auftritt des JEKISS-Projektes mit über 800 Schülern von zehn Aachener Grundschulen unter Leitung von Harald Nickoll, Leiter der Musikschule und vom Kammerchor Carmina Mundi, und dem „Sing along“ mit dem Aachener Studentenorchester unter Leitung von Generalmusikdirektor Kazem Abdullah, dem Studentenchor der KHG (Einstudierung: Heike Scholl-Braun) und dem Bachverein (Georg Hage) sei das perfekte Familienevent für die Chorbiennale und bei dem Publikum – nicht zuletzt mit Blick auf die ausgewählte Stücke – auf begeisterte Zustimmung gestoßen.

Großen Anklang fand auch das Konzert des WDR Rundfunkchores mit der Aufführung von Sergei Rachmaninows „Ganznächtliche Vigil“ in Kombination mit der tänzerischen Interpretation durch die Düsseldorfer Vanek-Tanzkompanie. Großen Zulauf und Begeisterung verzeichneten auch die Satellitenkonzerte in Monschau, Bonn und Altenberg.

„Neuer StädteRegions-Chor“
StädteRegionsrat Helmut Etschenberg kann sich über einen neuen StädteRegions-Chor freuen: Die abschliessende gemeinsame Aufführung von „Viva la Musica“ von Franz Surges durch alle Chöre (gemeinsam geleitet von Manfred Lutter und Gabriele Scheidweiler- Pleines), die bei dem Abend der StädteRegion im Krönungssaal aufgetreten waren, war durchaus ein eindrucksvolles Erlebnis. Das beeindruckende und quasi schon zur Tradition gewordene Satellitenkonzert in Monschau sei ungemein bereichernd gewesen, sind sich Bürgermeisterin Margarete Ritter und Produktionsleiter Ansgar Menze sicher. Der erste Auftritt des isländischen Chores Hamralith unter seiner charismatischen Leiterin Thorgerdur Ingolfsdottir sei geradezu enthusiastisch gewesen und für den Chor – versichert die Chorleiterin – ein berührender Einstieg in ein phantastisches Festival. Dieser Austausch von internationalen Topchören in der Region und der vielfältigen regionalen Chöre in Aachen als Festivalmittelpunkt sei beispielhaft und überaus vitalisierend.

Das Interesse seitens des WDR und des Deutschlandradios KULTUR, die mehrere Konzerte mitgeschnitten haben und in verschiedenen Sendungen noch über die diesjährige Chorbiennale berichten werden, zeigt, dass das Interesse an dem Aachener Chorereignis auch jenseits der Stadt und der Region vorhanden ist.

Drei Uraufführungen
Dass bei der dritten Chorbiennale gleich drei ganz unterschiedliche Chorwerke uraufgeführt wurden, freut die Verantwortlichen besonders. Während Hans Leenders mit der “Ballade des äußeren Lebens” für vier Chöre auf einen Text von Hugo von Hoffmannsthal die sonore Klanglichkeit der Aachener Initiativchöre voll auskostete, bekam auch das neue Stück „Szymborska“ für Frauenensemble a cappella vom extra aus Berlin angereisten Gilad Hochman begeisternden Applaus. (Hochman hatte bereits 2009 einen Kompositionsauftrag seitens der Chorbiennale erhalten.) Dass die Uraufführung vom Geräusch des starken Aachener Regens begleitet wurde, empfand Gilad Hochman letztlich als unerwartete schöne „Verfeinerung“. Dabei ging fast unter, dass mit „Today, the tears returnedʻʻ noch ein weiteres Stück von Eyal Bat uraufgeführt wurde.

Unglaublich, dass die ausdrucksstarken Soli von den Chormitgliedern Maya Cohen, Atara Frish und Efrat Hermann ausgeführt wurden. Dass ein solches Bekenntnis zu neuester Musik bei der Chorbiennale auf ein neugieriges, aufgeschlossenes Publikum stößt, ist ein besonders wertvoller Umstand.

Lob für die Aachener Festivalkonzeption
Zwar kämen die vielen Besucher zunächst einmal wegen der Aachener Chöre, ist sich Shosh Lagil sicher – und das sei auch die Basis für das Festival. Gleichzeitig habe sie aber auch eine Sehnsucht der Zuhörer nach „unerhörten“ Chorklängen gespürt, nach unverbrauchtem Repertoire, neuen Werken und neuen Erfahrungen. Man könne dann die Beiträge mehr oder weniger mögen, aber diese Konzeption in der Rhythmisierung der verschiedenen Konzertveranstaltungen mit anspruchsvollen Chorkonzerten und lockereren Formaten, die mittlerweile auch Nachahmung in anderen Städten finde, sei brillant und bestechend. Es gäbe viele Festivals, die ihre eigenen Standort suchten und ihre lokalen Stärken in die Waagschale werfen (was viel erfolgreicher sei, als globale Ausrichtungen zu kopieren). Der Chorbiennale bescheinigte Shosh Lagil jedoch eine ganz besondere Wärme, die in den Konzerten, bei der ChorBi-Lounge und durch die gastgebenden Chöre überall spürbar gewesen wäre und ihre Chorsängerinnen zutiefst berührt hätten.

Vielfältige Unterstützung
Die lange und teilweise anstrengende Vorbereitung habe sich gelohnt, resümierte auch Ansgar Menze, Künstlerischer Produktionsleiter. Dank für den reibungslosen Ablauf gelte auch den verschiedenen Mitarbeitern und Küstern der Kirchen und den Hausmeistern von Rathaus, der Aula Carolina und dem Ludwigforum sowie dem Catering des Theaters, die bei der Chorbiennale in vorbildlicher und äußerst hilfsbereiter Weise die vielfältigen Anforderungen mit getragen hätten. Zudem hätte eine große Anzahl von Chormitgliedern der initiierenden Aachener Kammerchöre durch ihre exzellente Mitarbeit eine spürbare Entlastung bei der Organisation gebracht; gleiches gilt für die Mithilfe der Langen-Chornacht- Chöre.

Das kleine Orga-Team hat nahezu rund um die Uhr tolle Arbeit geleistet und sich trotz der komplexen Programmfolge und Aufgaben nicht verängstigen lassen. Auch die vielfältige Unterstützung durch die beiden veranstaltenden Eigenbetrieben, Theater Aachen mit der Musikdirektion sowie dem Kulturbetrieb, und dem Stadtmarketing samt Presseamt ist gut gelaufen. Dass man beispielsweise noch kurz vor Konzertbeginn unbürokratisch bei der Theatertechnik Verkleidungen für die Scherenpodeste in der Citykirche habe organisieren können, damit deren Beine nicht mit jenen bunt bestrumpften Beinen der Mitglieder des Sirenot Ensembles konkurrierten und damit der Leiterin einen Wunsch erfüllen konnte oder in Minutenschnelle ein durchgebrannter Brenner für einen Scheinwerfer ersetzt werden konnte und am Vormittag der Langen Chornacht noch 24 Stühle herzaubert wurden, erleichterte die Aufgaben und das Budget der Chorbiennale ungemein, betonte Ansgar Menze.

Kleine Details für die Manöverkritik
Allein in kleineren Details könne Menze sich noch weitere Verfeinerungen vorstellen. Gerade das Potential, das beispielsweise eine Veranstaltung wie das „Sing along“ mit seinen vielen Mitwirkenden und dem begeisterten Publikum böte, sei werbe- und imagemäßig noch längst nicht ausgeschöpft, so der Produktionsleiter; hier werbetechnisch noch systematischer agieren zu können, alle Mitwirkenden diese Veranstaltung etwa namentlich auf der neuen durchaus gelobten Chorbiennal-Homepage zu dokumentieren oder hier die vielen farbenreichen Begebenheiten, die sich am Rande der Chorbiennale abspielten, aufzuarbeiten und so es dem interessierten Festivalpublikum zu ermöglichen, noch stärker Anteil an dem Biennale-Leben zu nehmen, wird eine Aufgabe für die Zukunft sein.

In einem Punkt aber sind die Absprachen wieder recht frappierend gewesen: Das Wetter spielte auf seine Weise zu jeder Zeit mit. Beim „Sing along“ hörten nicht nur die vereinzelten Regentropfen und der bedenklich starke Wind genau auf die Minute auf, so dass dieses Mammutprojekt wie geplant open air auf dem Katschhof stattfinden konnte; auch der erst nach Konzertbeginn einsetzende Starkregen beim Konzert des Sirenot-Ensembles liess das Publikum vorher in die Citykirche strömen. Vom kurzzeitigen Nieselregen am Abend ließen sich die Besucher der Hofbühne nicht abschrecken (was das Frauenensemble Taktlos mit einem Lied an das Publikum honorierte) und gerade, als das letzte Podest für das „Farewell“ zehn Minuten nach dem eindruckvollen Abschluss vor dem mitternächtlichen Rathaus verräumt war, begann wieder der Aachener Regen.